Ja, natürlich!
Riesenbärenklau Gruppenbild

Riesenbärenklaubekämpfung im Wassertal

Die Ausbreitung des nichtheimischen Riesenbärenklaus ist eine Gefahr für die heimische Vegetation und gefährlich für Menschen. Mit einer Projektfläche im stark befallenen Wassertal bei Denkendorf wurde 2020 mit einer exemplarischen Bekämpfung begonnen.

Der Riesenbärenklau (Herakleum mantegazzianum) stammt aus dem Kaukasus und breitet sich in manchen Gebieten invasiv aus. Die bis zu 3 Meter großen Pflanzen mit dem gewaltigen Blattwerk haben das Potential, die heimische Vegetation zu verdrängen.
Der in allen Pflanzenteilen enthaltene Saft des Riesenbärenklaus ist für Menschen phototoxisch-allergen. Das bedeutet, dass Hautkontakt in Kombination mit Sonnenlicht zu starken Verbrennungen führen kann.

Bei dieser exemplarischen Bekämpfungsaktion wurde der Riesenbärenklau mit zwei unterschiedlichen umweltverträglichen Methoden bekämpft. Beide Methoden haben sich als sehr erfolgversprechend erwiesen.

Bekämpfung durch Ausstechen am Vegetationskegel

Riesenbärenklau Ausstechen

Das Ausstechen am Vegetationskegel ist eine effiziente und umweltschonende, aber aufwändige Variante der Riesenbärenklaubekämpfung.

Die mehrjährige Pflanze stirbt nach der Blüte und Samenproduktion ab.
Im Blütejahr kann durch ein schräges Abstechen am Vegetationskegel (Bereich zwischen Wurzel und oberirdischem Pflanzenteil) die Pflanze zerstört werden.
Zu diesem Zweck wurde ein Gartenspaten modifiziert und die Bauanleitung an die Bauhöfe der zwei betroffenen Gemeinden (Denkendorf und Kipfenberg) weitergeleitet. Mit den keilförmig zugeschnittenen, geschärften Spaten und mit Schutzkleidung konnten in zwei Ausstechaktionen der Bauhöfe unter Anleitung eines Naturpark-Rangers mehrere tausend Pflanzen ausgestochen werden.
Nach dieser ersten Ausstechaktionen konnte in 2020 ein Rückgang der Blühpflanzen um 65 % im Vergleich zu 2019 erreicht werden.

Bekämpfung durch Beweidung

Riesenbärenklau Ziegenbeweidung

Auf einer Teilfläche haben sich Ziegen als sehr gute Helfer bei der Riesenbärenklaubekämpfung bewiesen.

Riesenbärenklausamen können bis zu 10 Jahre im Erdreich keimfähig bleiben. Deshalb ist bei der Bekämpfung eine langfristige Strategie notwendig.
Um eine solche langfristige Strategie zu erproben, wurde auf einem Teilstück des Wassertals eine Beweidung mit 42 Ziegen 12 Tage lang durchgeführt. Die Ziegen haben den Riesenbärenklau auf der gesamten Testfläche bevorzugt und vollständig gefressen.

Ebenfalls positiv ist zu bewerten, dass auch andere Neophyten (Drüsiges Springkraut, Japanischer Staudenknöterich und Kanadische Goldrute) auf der Testfläche von den Ziegen restlos gefressen wurden.

Die Beweidung konnte durch diese Testphase als eine nachhaltige Methode zur Riesenbärenklaubekämpfung und zur naturschutzfachlichen Aufwertung der Fläche bestätigt werden.

Begleitende Maßnahmen

Brauner Bär

Die Bekämpfung des Riesenbärenklaus wurde von einem Monitoring begleitet.

In Zusammenarbeit mit der Entomologischen Gesellschaft Ingolstadt wurde ein Tag- und Nachtfaltermonitoring in Auftrag gegeben.
Während der Arbeiten und bei Begehungen der Flächen konnten Zaun- und Waldeidechsen beobachtet werden. Der Wassertalgraben führt im Winter und Frühjahr Wasser und bildet kleine temporäre Stillgewässer. Diese sind potentiell für Amphibien geeignet. Weitere Beobachtungen sind geplant.
Die Ergebnisse zeigen dass eine gute Artenausstattung im Wassertal vorhanden ist und neben der Riesenbärenklaubekämpfung weitere naturschutzfachliche Maßnahmen in diesem Bereich angebracht sind.