Streuobstwiesen

Hochstämmige, alte Obstbäume mit schmackhaften Früchten, verstreut auf einer artenreichen blühenden Wiese.
Streuobstwiesen prägen unser Landschaftsbild und zählen zu den artenreichsten Kulturlandschaften unserer Zeit. Der Erhalt ist sowohl aufgrund von naturschutzfachlichen, wie auch kulturgeschichtlichen Hintergründen von großer Bedeutung.

Bei Streuobstwiesen handelt es sich um eine Ansammlung von Obstbäumen unterschiedlicher Alters- und Sortenzusammenstellung. Sie stehen locker „gestreut“ in der Landschaft und verfügen somit über viel Licht und Platz, so dass sie ungehindert zu hochstämmigen Obstbäumen heranwachsen können. Das Grünland unter den Bäumen kann als Weide oder Wiese genutzt werden und bietet neben den strukturreichen Obstbäumen einen weiteren bedeutenden Lebensraum für diverse Tier- und Pflanzenarten. Somit reiht sich ein Kleinbiotop an das andere und es können zahlreiche Arten nebeneinander existieren.

Streuobstwiesen stammen aus der historischen Landwirtschaft und prägen das Bild unserer heutigen Kulturlandschaft. Schon zu Zeiten der Römer wurden Obstgärten angelegt und Vorformen der heutigen Obstsorten in den süddeutschen Raum eingeführt. Als am Ende des Mittelalters große Not in Deutschland herrschte wurden zur Nahrungsproduktion großflächig Streuobstwiesen angelegt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Obstbau zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig, so dass immer mehr Streuobstflächen entstanden. Der Wandel kam nach dem 2. Weltkrieg mit der Intensivierung der Landwirtschaft. Zum einen waren viele Streuobstflächen zerstört, zum anderen wurde der Erwerbsobstanbau gefördert und mit der Zeit verschwanden die Streuobstwiesen aus dem Bewusstsein des Menschen. Da Streuobstwiesen zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas gehören, und zudem Natur, Landschaft, Kultur und Ernährung vernetzen, ist es in vielerlei Hinsicht von großer Bedeutung diese Landschaftsform zu erhalten und auch wiederherzustellen. Sie bieten zahlreichen Lebewesen eine Nahrungs- und Lebensraumgrundlage und prägen darüber hinaus ein typisches Bild unserer Kulturlandschaft.

Der Baumkronenbereich bietet unterschiedlichsten Tierarten ausreichend Deckung. Eine Etage darunter, in den knorrigen Obstbaumstämmen finden Vögel und Säugetiere Bruthöhlen bzw. Kinderstuben. In den Baumhöhlen können unter anderem Fledermäuse, Gartenschläfer und Siebenschläfer ihr Quartier finden. In den Rindenrissen können wiederum Hornissen und viele andere Insekten nisten. Zur Blütezeit der Obstbäume und der Wiesen sind zahlreiche Insekten aktiv, wobei verschiedene geschützte Prachtkäferarten besonders erwähnenswert sind, da sich diese speziell in toten Obstbaumästen entwickeln. Für Vögel und Säugetiere bieten Streuobstwiesen eine gedeckte Tafel und man kann dort beispielsweise den Steinkauz, Wendehals, Gartenbaumläufer, Stieglitz, Wiedehopf und viele weitere Vogelarten antreffen.

Eine weitere Besonderheit von Streuobstwiesen ist die Vielseitigkeit an Obstsorten und -arten. Es kommt teilweise vor, dass man alte, manchmal schon vergessene Obstsorten findet, die zudem für die jeweilige Region charakteristisch sind. In der heutigen Zeit, in der immer wieder Tier- und Pflanzenarten verloren gehen, ist es von großer Bedeutung so ein genetisches Erbgut, wie auch Teile einer artenreichen Kulturlandschaft zu erhalten.